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Im Winter in den Alpen fahren

Schneeketten, Alpenpässe und die Regeln, die jeder Fahrer in der Wintersaison kennen muss

15 July 2026·Seasoned.info

Viele Saisonkräfte fahren in die Alpen, sind während der Saison regelmäßig im Ort unterwegs – zum Einkaufen, für Flughafentransfers oder Mitarbeiterfahrten – oder übernehmen im Rahmen ihrer Arbeit Transferfahrten. Das Fahren im winterlichen Gebirge stellt andere Anforderungen als gewöhnliches Fahren auf der Autobahn, und in mehreren Ländern sind die gesetzlichen Ausrüstungsvorschriften konkret und werden durchgesetzt. Hier ist der kurze Überblick.

Warum das Fahren im Gebirge im Winter anders ist

Die praktischen Risiken sind offensichtlich: Schnee, Eis, schmale Straßen, starke Steigungen und Serpentinen, oft in Kombination und bei schlechter Sicht. Ein Rutschen mit 30 km/h auf einer Bergstraße hat andere Folgen als ein Rutschen mit 80 km/h auf einer flachen Autobahn. Die Techniken und die Ausrüstung, die dich auf der Straße halten, unterscheiden sich entsprechend.

Ein weiterer Faktor ist die Unberechenbarkeit innerhalb einer einzigen Fahrt. Du kannst in 45 Minuten von einem trockenen Talboden auf einen schneebedeckten Pass und wieder zurück fahren. Die Bedingungen ändern sich schneller und örtlich stärker als auf flachen Straßen, und Navigations-Apps zeigen aktuelle Straßensperrungen oder den Zustand der Fahrbahn nicht immer in Echtzeit an.

Winterreifenpflicht nach Land

Frankreich

Seit dem 1. November 2024 verlangt die französische Regelung Loi Montagne, dass Fahrzeuge auf ausgewiesenen Bergstraßen – etwa in 4.000 Gemeinden in Bergregionen, darunter alle wichtigen Zufahrtsstraßen zu Skigebieten – entweder mit Winterreifen ausgerüstet sind oder Schneeketten beziehungsweise Schneesocken im Fahrzeug mitführen. Wenn Schnee oder Eis auf der Straße liegt, können die Behörden verlangen, dass Ketten oder Socken angelegt werden. Die Regelung gilt für alle Fahrzeuge, auch für Fahrzeuge mit ausländischem Kennzeichen. Bei Nichteinhaltung beträgt das Bußgeld 135 €.

Österreich

Vom 1. November bis zum 15. April sind auf allen Straßen bei winterlichen Bedingungen – Schnee, Eis oder Glatteis – Winterreifen vorgeschrieben. Auf bestimmten Bergpässen sind zusätzlich Schneeketten erforderlich; darauf weisen Verkehrsschilder hin. Die Kontrolle der Winterreifenpflicht in Österreich gehört zu den strengsten in Europa. Es handelt sich nicht um eine Vorschrift, die nur auf dem Papier existiert.

Schweiz

Anders als in Frankreich und Österreich gibt es in der Schweiz keine Winterreifenpflicht mit festgelegten Kalenderdaten. Bei winterlichen Bedingungen ohne geeignete Reifen zu fahren, gilt jedoch als fahrlässig. Wenn du ohne Winterreifen einen witterungsbedingten Unfall hast, kann deine Versicherung die Leistung verweigern. Auf bestimmten Pässen sind Schneeketten vorgeschrieben; blaue und weiße Schilder weisen darauf hin.

Italien

Die regionalen Vorschriften unterscheiden sich. Generell sind in den ausgewiesenen Regionen vom 15. November bis zum 15. April auf Bergstraßen Winterreifen oder Schneeketten erforderlich. Dazu gehören alle wichtigen Skigebiete der Dolomiten und Norditaliens. Achte auf die örtliche Beschilderung; die Regeln unterscheiden sich zwischen den Regionen und werden regelmäßig aktualisiert.

Schneeketten: ein praktischer Leitfaden

Schneeketten sind Systeme aus Metallgliedern, die über die angetriebenen Reifen gelegt werden und auf Eis und verdichtetem Schnee für mehr Haftung sorgen. Sie werden nur verwendet, wenn sie tatsächlich nötig sind. Das Fahren auf trockenem Asphalt mit angelegten Ketten beschädigt sowohl die Ketten als auch die Reifen; in einigen Ländern ist das Fahren mit Ketten auf trockener oder schneefreier Straße außerdem verboten.

Arten: Herkömmliche Gliederketten bieten den besten Halt und die längste Lebensdauer. Ketten mit Leiterprofil sind einfacher anzulegen. Textile Schneesocken lassen sich schneller aufziehen und sind für unerfahrene Nutzer leichter zu montieren, bieten aber weniger Halt und haben eine kürzere Lebensdauer. Welche Variante richtig ist, hängt davon ab, wie oft du sie voraussichtlich brauchst und wie schnell sie montiert werden müssen.

Ketten werden passend zu bestimmten Reifengrößen hergestellt – nach der Kombination aus Reifenbreite und -durchmesser. Prüfe vor dem Kauf deine Reifengröße. Eine Kette, die nicht richtig passt, ist nicht nur nutzlos, sondern gefährlich.

Die praktische Anmerkung, die erfahrene Alpenfahrer dir geben werden: Ketten im Dunkeln bei -10 °C am Rand einer schmalen Bergstraße anzulegen, während der Verkehr vorbeifährt, ist deutlich schwieriger, als sie auf einem warmen Parkplatz zu montieren. Übe zu Hause, bevor du in die Saison fährst. Nach zweimaligem Üben ist es nicht schwierig; unter Druck ist es beim ersten Mal wirklich schwierig.

Sperrungen von Alpenpässen

Wichtige Alpenpässe werden im Winter gesperrt – normalerweise etwa von November bis Mai, abhängig von den Schneefällen des jeweiligen Jahres. Der Col du Galibier, der Col de l'Iseran, das Stilfser Joch, der Großglockner und der Furkapass gehören zu den Pässen, die saisonal geschlossen werden. Eine Route zu planen, die im Winter die Alpen überquert, ohne vorher den Passstatus zu prüfen, ist ein Fehler, der Stunden oder Tage kosten kann.

Quellen für den aktuellen Passstatus:

  • Frankreich: bison-futé.gouv.fr und viamichelin.com
  • Österreich: Passstatus-Seite des ÖAMTC (oeamtc.at)
  • Schweiz: Straßeninformationen des TCS (tcs.ch)
  • Italien: autostrade.it für Autobahnen; lokale Seiten der Präfekturen für Bergstraßen

Navigations-Apps – Google Maps, Waze und Apple Maps – führen dich über gesperrte Pässe. Sie wissen nicht zuverlässig in Echtzeit, welche Strecken gerade geschlossen sind. Prüfe dies immer unabhängig, bevor du dich im Winter auf eine Alpenüberquerung festlegst.

Fahrtechnik auf Schnee und Eis

Die Anpassungen gegenüber dem normalen Fahren sind unter allen Bedingungen ähnlich:

Verringere die Geschwindigkeit deutlich – als Ausgangspunkt 30–40 % unter deiner Geschwindigkeit auf trockener Straße, bei schlechter Sicht oder auf steilen Abschnitten noch mehr. Vergrößere den Abstand auf mindestens 8–10 Sekunden; die üblichen 2–3 Sekunden reichen auf Eis nicht aus, wo der Bremsweg vier- bis zehnmal länger ist als auf trockenem Asphalt.

Bremse früher und sanfter. Plötzliches Bremsen auf Eis führt zu einem Rutschen, bei dem das Fahrzeug der Straßenführung folgt. Bremse, solange du noch geradeaus fährst, vor der Kurve und nicht in ihr.

Beschleunige allmählich. Durchdrehende Räder sind auf Eis schlimmer als gar keine Beschleunigung: Die Aufstandsfläche des Reifens wird erhitzt, eine dünne Eisschicht darunter schmilzt und der Halt nimmt weiter ab. Betätige das Gaspedal vorsichtig.

Bei Abfahrten: Nutze die Motorbremse statt dauerhaft zu bremsen. Wer auf einer langen Abfahrt ständig bremst, erhitzt Bremsscheiben und Bremsbeläge und verringert ihre Wirkung zunehmend. Wähle einen niedrigeren Gang und lass den Motor den größten Teil der Arbeit übernehmen; bremse nur gelegentlich statt kontinuierlich.

Transferfahrten als Job

Viele Saisonkräfte arbeiten als Fahrer für Transfers im Skigebiet – sie bringen Gäste zwischen Flughäfen und Skiorten oder zwischen Skiorten und Einrichtungen außerhalb des Berges, meist in Kleinbussen. Einen vollständigen Überblick über diese Tätigkeit findest du unter als Fahrer für einen Reiseveranstalter im Skiort arbeiten.

Zu den Führerscheinanforderungen: Die Klasse B, also der normale Autoführerschein, gilt für Fahrzeuge mit bis zu neun Sitzplätzen einschließlich Fahrer. Für Fahrzeuge mit mehr als acht Fahrgastplätzen – die meisten bei Transfers eingesetzten Kleinbusse – ist mindestens die Klasse D1 erforderlich. Für die gewerbliche Personenbeförderung wird normalerweise zusätzlich die Qualifikation als Berufskraftfahrer benötigt.

Die meisten Transferanbieter schulen ihre Mitarbeiter an den jeweiligen Fahrzeugen und auf den jeweiligen Strecken. Was sie normalerweise nicht vermitteln können, ist grundlegende Sicherheit beim Fahren im winterlichen Gebirge. Auf einem schneebedeckten Pass in 2.000 m Höhe mit einem voll besetzten Fahrzeug ruhig zu bleiben, entwickelt sich durch Übung und nicht durch eine eintägige Einführung. Wenn Transferfahrten Teil deines Saisonplans sind, ist persönliche Erfahrung mit dem Fahren im Winter vor Saisonbeginn die passende Vorbereitung.

Vor der Abfahrt

Die Checkliste: Vergewissere dich, dass deine Versicherung das Land und die Nutzungsart abdeckt; private und gewerbliche Fahrten haben unterschiedliche Anforderungen. Prüfe die Reifenbestimmungen für jedes Land, das du durchfährst. Führe Ketten mit oder stelle sicher, dass geeignete Winterreifen montiert sind. Lade Offline-Karten für die Bergregionen herunter, in denen du fahren wirst – der Mobilfunkempfang in Tälern und auf Pässen ist unzuverlässig. Informiere dich, wie du den Passstatus prüfst, bevor du dich auf eine Route festlegst.

Das Bergstraßennetz der Alpen ist gut instand gehalten und wird stark genutzt. Die meisten Saisonkräfte, die in einem Graben oder auf der falschen Straßenseite landen, tun dies, weil sie eine der genannten Gefahren unterschätzt haben, nicht weil das Fahren grundsätzlich ihre Fähigkeiten übersteigt. Die notwendigen Anpassungen kann man lernen; sie müssen nur bewusst vorgenommen werden, statt davon auszugehen, dass die normale Fahrerfahrung ausreicht.

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